Kenia – eine Liebeserklärung

Hand auf´s Herz: wir haben alle Vorurteile, wenn wir an Afrika denken. Nicht anders ging es mir, als ich mit meinen Koffern hier ankam, mindestens einen davon gefüllt mit Klischees.

Aber Kenia ist ganz anders. Kenia ist ganz wunderbar; so wunderbar, dass mir (ja, mir!) die Worte fehlen, um euch auch nur einen ansatzweise realistischen Eindruck zu vermitteln, von dem Land, das mein Herz zwar nicht im Sturm erobert hat, dafür aber umso nachhaltiger.

Ich will mich auch gar nicht weiter mit Nebensächlichkeiten wie der Landschaft oder der Tiervielfalt aufhalten – das könnt ihr bei Bedarf alles in einem der unzähligen Reiseführer nachlesen (für Bilder des heutigen Tages, scrollt bitte ganz nach unten).

Es sind die Kenianer, die dieses Land zu dem machen, was es ist. Egal ob im Skills Centre (der bereits mehrmals versprochene Post dazu kommt in den nächsten Tagen, wirklich!) oder wie heute in Korogocho bei den Ghetto Classics – die jungen Leute sind voller Hoffnung, freundlich, unbekümmert, und wollen alle etwas aus ihrem Leben machen.

Ich glaube, im Zweifel würde jeder Kenianer sein letztes Hemd geben, um dem anderen zu helfen. Und obwohl es viele arme Menschen gibt, so bewahren sie sich doch alle ihr Lächeln.

Als ich zum ersten Mal einem recht kleinen Kind begegnet bin,  hat es mir seine Hand hingestreckt – ich mit meinen Klischees dachte, es bittet mich um Geld oder etwas zu essen. Aber nein: einem kenianischen Kind macht man die größte Freude, wenn man ihm die Hand gibt und sich kurz mit ihm unterhält.

Wir haben heute in Korogocho gefilmt. Korogocho ist ein Teil des Slums Mathare, dem zweitgrößten Slum Afrikas. Die Menschen leben hier mit Müllkippen vor den Türen und die Schule, in der die Ghetto Classics üben, liegt direkt neben der größten Müllkippe Kenias, vielleicht sogar der Welt.

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Die Violinisten proben zwischen den Schulgebäuden – im Hintergrund sieht man die vielleicht größte Müllkippe der Welt.

Natürlich ist das keine schöne Kulisse, und ich möchte mein schönes Appartment-Zimmer mit WLAN und fließendem Wasser nicht gegen eine Nacht im Slum tauschen, aber…

Auf unserem Weg zu dieser Schule sind wir einmal quer durch Mathare gefahren. Und hier sind wir wieder bei den Vorurteilen: ich habe mir Slums ganz anders vorgestellt. Sieht man mal von diesen Müllkippen ab, habe ich noch keinen Flecken in Nairobi gesehen, der so sauber ist wie Mathare. Anstatt den Müll einfach an Ort und Stelle fallen zu lassen, bilden sich eben solche Müllkippen – dafür sind die Straßen und die „Gehsteige“ total sauber.

Es gibt auch keine Kinder, die total verwahrlost in den Ecken liegen und Klebstoff schnüffeln – den Grund sollte ich gleich erfahren. Und was die Kenianer alle eint: sie versuchen, sich mit dem Bisschen, das sie haben, über Wasser zu halten. An jeder Ecke gibt es tolles Obst und Gemüse zu kaufen – für wenige Cent könnte man sich da die ganze Woche eindecken. Es werden aber auch alte Thermoskannen, Plastikbehälter, Schuhe, Klamotten, und und und verkauft. Natürlich leben die Menschen hier in ihren Wellblech-Hütten und natürlich sind die Kleider voller Löcher und zerrissen, aber alles ist sauber und nirgends entdeckt man auch nur eine klitzekleine Spur von Verwahrlosung.

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Die Streicher.

Nun zu dem Grund unseres Besuchs in Korogocho: Salut Salon, ein deutsches Quartett, ist derzeit zu Besuch in Nairobi. Die vier Frauen musizieren zusammen mit den Kids von Ghetto Classics, einem Klassik-spielenden Orchester, bestehend aus den Kindern aus Korogocho. Mindestens 50 Nachwuchsmusiker gaben heute zum besten, was sie in der vergangenen Zeit gelernt haben und übten mit den deutschen Musikerinnen für Konzerte, die in der kommenden Woche stattfinden werden – der Erlös geht an die Ghetto Classics.

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Die Bläser haben „Paradise“ von Coldplay und „Radioactive“ von Imagine Dragons gespielt.

Die Kinder sind alle voller Freude und brennen für die Musik. Einige träumen davon, irgendwann Musik zu studieren, wie einer ihrer Lehrer: Brian hat vor ein paar Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Er kommt selbst aus Mathare und weiß, dass das Leben dort nicht immer einfach ist. Aber er hat seinen Traum stur verfolgt. Heute spielt er im Nationalorchester und studiert Musik und Philosophie an der Kenyatta-Universität. Ich wünsche mir, dass möglichst wenige Kinder mit ihren Hoffnungen enttäuscht werden und tatsächlich einmal studieren und Mathare verlassen können.

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Abschluss-Session.

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Für Nachwuchs ist bei den Ghetto Classics auf jeden Fall gesorgt.

Bei einem Blick in meinen Kalender vorige Woche habe ich das hier gefunden:

IMG_4762Genau, wie ihr bereits lesen konntet, sollte ich gerade eigentlich in Israel sitzen. Aber mein Karma hat es gut mit mir gemeint und mich in dieses Land voller Möglichkeiten geschickt. Wenn ich also, heute in genau zwei Wochen, im Flieger Richtung Deutschland sitze, könnt ihr euch sicher  sein, dass ich nicht nur ein Tränchen verdrücken werde. Mir wird schon jetzt das Herz schwer, bei dem Gedanken daran, dass ich bald die Heimreise antreten muss.

Kenia, sei Dir sicher, ich komme wieder!

Und übrigens: Danke! Mich haben in den letzten Wochen mehrere Menschen angeschrieben, die meinen Blog, meine Tweets, meinen Instagram-Account abonniert haben und sich bei mir bedankt haben, dass ich ihnen einen ganz anderen Teil der Welt zeige. Das hier ist natürlich alles meine subjektive Wahrnehmung. Und auch wenn dieser Blog größtenteils privat ist, so ist das doch das allerschönste Kompliment, das man einem Journalisten machen kann.

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